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Die Arktis IST ein Ökosystem
by Bill Heal
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Das Netz des Lebens - und Sterbens
  Aus der Entfernung gesehen, scheint es eindeutig, wer wen auffrißt, wenn man sich das in einer Momentaufnahme ansieht:
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Flechte ---> Rentier ---> Wolf
Gras ---> Lemming ---> Schneeeule
Birke ---> Herbstmotte ---> Grasmücke ---> Falke
Samen ---> Ammer ---> Zwergfalke
  Die Wirklichkeit ist jedoch eher eine komplexe Nahrungskette, in der der Unterschied zwischen Fleischfressern und Raubtieren undeutlich ist; die meisten Arten müssen sich auf einen weiten Nahrungsbereich verlassen, jeweils abhängig davon, was verfügbar ist. Die sogenannten Top-Raubtierarten, die großen Räuber, leben von diversen Opfern, und ziehen sich auf Insekten und Pflanzen zurück, wenn ihre Hauptnahrungsquelle versiegt ist.
  Große Tiere können nicht von kleinen gefressen werden - das stellt sich aber als unwahr heraus, wenn man sieht, wie Füchse sich von Rentierkadavern ernähren, weil die Rentiere aus Hunger zugrunde gegangen sind, oder wenn es sich um von der Herde im Stich gelassene Kälber handelt.
  Lemminge und andere kleine Säugetierarten stellen die wichtigste Nahrung für viele Raubtiere dar. Die großen Fluktuationen der Lemmingpopulationen können für die Raubtiere problematisch werden, weil sie als Nahrung für die Jungen während der Jungtieraufzugssaison zur Verfügung stehen müssen. Eine besondere Anpassung an die Lemming-Zyklen besteht in der entsprechenden Regulierung der Anzahl von Jungtieren, die zu ernähren sind. Wenn eine Lemming-Population nach der Winteraufzucht unter der schützenden Schneedecke besonders zahlreich ist, dann werden von Schneeeulen, Raubmöven und Wieseln große Bruten oder Gelege hervorgebracht. Manche dieser Arten suchen sogar zielgerichtet die Areale von hohen Lemming-Populationen auf. Auch Rentiere fressen Lemming unter diesen Umständen. So kommt es dazu, daß die Lemmingbestände durch Krankheiten, als Opfer von Raubtieren und Überweidung drastisch verringert werden. Im folgenden Jahr oder Jahren bringen die Lemmingräuber keine oder nur wenige Junge zur Welt, oder verlassen die Region. Dadurch können sich die Lemmingbestände wieder erholen.
  Hier haben wir es mit dem Lemming-Zyklus zu tun, der eine klassische Raubtier-Opfer-Dynamik darstellt - die Bestände an Opfertieren nehmen zu, dadurch erhöht sich die Jagd auf diese Tiere, was wiederum deren Bestände verringert, und schließlich nehmen die Bestände der Räuber ab, die Opfertiere können sich wieder erholen, der Zyklus beginnt von neuem. Die Wirklichkeit ist selten so einfach, erleuchtet aber die Prinzipien der Nahrungskettendynamik und die Schlüsselstellung der Lemminge in der Arktis. Verborgen in dieser Dynamik ist eine andere Dimension des Systems - der Zyklus der Zersetzung.
  Die Lemminge ernähren sich von den unteren Teilen der Gras- und Seggenstengel. Während eines Lemming-"Hochs" sieht eine Tundrawiese aus wie eine Heuwiese nach der Mahd, aber vor dem Einbringen des Heus. Frische Blätter und Lemmingkot werden von Bakterien, Pilzen, Invertebraten im Boden und Insektenlarven verarbeitet, die dann wiederum anderen Invertebraten als Nahrung dienen. Im Abbauzyklus bedeutet das eine riesige Menge von ausschlüpfenden Insekten, die von Käfern und Spinnen an der Bodenoberfläche gefressen werden. Der frühsommerliche Schwall von Schnaken (Tipuliden), Mücken und Moskitos ist die Hauptnahrungsquelle für eine andere Gruppe von größeren, mehr in Erscheinung tretenden Räubern - den Insektenfressern (Insektivoren), wie z.B. Lerchen, Piepern, Ammern und Watvögeln, die letzeren besonders in feuchteren Gebieten. Diese Vögel sind Teil der oberhalb des Erdbodens auftretenden Nahrungskette und fallen wieder anderen Räubern, den Schneeeulen, Falken und Raubmöven zum Opfer. Auf diese Art und Weise verknüpfen sich die verschiedenen Teile des Ökosystems.
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The Arctic Is an Ecosystem, by Bill Heal. http://www.thearctic.is
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